Berlin und Handball - Die Handballfreunde Pankow

Handballfreunde Pankow 01 e.V.

Polizei SV II - HBFR PANKOW I 20 - 28

Gekommen um zu Bleiben

Da war dieses letzte Spiel der Hinrunde gegen Polizei SV II - denkwürdig, unfassbar, niederschmetternd. Zu Beginn der 2. Hälfte 13 Tore Vorsprung, vergeigt, mit ach und Krach zum Unentschieden gerettet.

Es musste was passieren. Nur 5 Punkte aus 11 Spielen. Woran lag’s? Eine Tiefenanalyse brachte erstaunliches ans Licht. Zu viele Kontaktscheue, Ballspotter, Gegnerstreichler, Vorbeiflugwinker, Torwartmassierer und Trainingsverweigerer standen auf der Platte. Wie macht man aus denen in der Weihnachtspause wieder Handballer, die an sich glauben? Jedenfalls nicht mit streicheln und an bessere Zeiten erinnern. Nur die klassische Methode konnte bei den Pankower Softies helfen. In Einzelgesprächen wurde den Spielern knallhart klar gemacht was von ihnen erwartet wird. Man musste härter werden. Zu Weihnachten verdingte sich der Trainer bei vier Spielern als Knecht Ruprecht. Die vier wurden vor versammelter Familie wegen ihrer Leistungen im Jahr 2015 mit der Rute bestraft. An vier Wochenenden traf sich die Mannschaft zum Eisbaden im Weißen See. Wer zuerst rausging musste nackt und barfuß um den See laufen – zwei Runden, alle anderen nur eine. Wem das Wort Abstieg über die Lippen kam, musste der Mannschaft vor dem Spiel einen Strafkasten ‚Red Bull verleiht Flüüüügel‘ ausgeben. Für unentschuldigtes Fehlen wurde Spielern angedroht zwei Trainingseinheiten im Tor zu stehen, umgedreht bei den Torhütern. Das wirkte. Die Grundlagen für top motivierte Spieler waren also gelegt und im Training gings dann richtig zur Sache. Bevor es in die Halle ging, wurde sich bei einer Schneeballschlacht aufgewärmt, natürlich in Sportkleidung, und danach barfuß Fußball gespielt. Beim Handball wurde den beliebten Gewichtsbällen der Vorzug gegeben, wenn die nicht da waren, wurde auch mal zum kleinen Medizinball gegriffen. Leistungstest ergaben Defizite in Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Es wurde zusätzlich eine Athletikeinheit, spezifisches Torwarttraining und Bodenturnen ins Training aufgenommen. Ja, ich weiß, die meisten wollten im Februar eigentlich Boxen anstatt Bodenturnen, aber das kommt dann ab September.

Und taktisch wollten wir uns am englischen Fußball der Vergangenheit (man muss schließlich auch über den Tellerrand hinausschauen) orientieren, also kick and rush im Angriff und hart aber fair in der Abwehr, die Lufthoheit gehört uns.

Solche Maßnahmen gehen natürlich mental und physisch nicht spurlos an den Spielern vorüber - aber sie haben gefruchtet und alle sind dabei geblieben. Nun ja, der Präsident hatte glücklicherweise Verträge ohne Ausstiegsklausel gemacht.

Nun das letzte Saisonspiel gegen Polizei SV II – und es ging, wie der geneigte Leser schon erahnt,  natürlich nicht um den Abstieg, sondern um die Rückrundenmeisterschaft – juchei, pardon - geil. Nach der Weihnachtspause ging es tatsächlich spiel- und punktetechnisch steil bergauf. Nur drei Minuspunkte aus zehn Spielen und so konnte man mit einem Sieg in Hohenschönhausen die Rückrunde mit 19:3 Punkten abschließen und am Ende noch Platz 6 belegen. Um es vorweg zu nehmen – es gelang. Nach all den Umstellungen und Anstrengungen der vergangenen Monate waren zwei Spieler dennoch dieser Drucksituation nicht gewachsen, sie machten sich buchstäblich in die Hose und mussten zu Hause bleiben. Schade. Sie hätten motivierte Polizisten erlebt, die in der ersten Halbzeit das Spiel bestimmten und uns den verharzten Ball ein ums andere mal abnahmen und über Konter einwarfen. Die Abwehr war ziemlich wackelig und wahrscheinlich waren wir auch ob des gegnerischen Engagements verwundert, Polizei war doch bereits abgestiegen. Conner hielt uns mit seinen Paraden im Spiel. Da musste es in der Kabine zur Halbzeit nochmal richtig laut werden und der Trainer eine seiner gefürchteten Ansprachen halten, Spieler auf der Umkleidebank klein machen und dann groß rausgehen lassen. Zweite Halbzeit war dann wieder ansehnlich, weniger Ballverluste und Fehlwürfe, schöne Konter und Tore aus dem Kleingruppenspiel von allen Positionen, alle Feldspieler warfen mindestens drei Tore (bei Alex waren es drei Gefühlte). Till konnte sich mit ein paar schönen Paraden auszeichnen. Erste Halbzeit mit zwei verloren, zweite Halbzeit mit zehn gewonnen, das steht symptomatisch für die Rückrunde, die Handballfreunde haben in ihrer ersten Saison in der Landesliga dazugelernt, die Mannschaft ist gewachsen, hat ihre Spielanlage in Abwehr und Angriff gefunden, Ist stabiler in Drucksituationen geworden, verkraftet Ausfälle und wird auch nächste Saison für Überraschungen gut sein.

 

Das war doch nach dem Systemwechsel nach Weihnachten zu erwarten, oder?






Handballfreunde, PSV, Knecht Ruprecht, Rückrundenmeister

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